ÜBERSETZUNGSGERECHTES SCHREIBEN

Inhaltsverzeichnis

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Von Stilrichtlinien bis hin zur korrekten Formatierung – wir helfen Ihnen, Ihre Texte professionell für die Übersetzung vorzubereiten, damit Sie ein optimales Ergebnis erhalten.


Was sind die Vorteile übersetzungsgerechter Ausgangstexte?

Das kennen Sie bestimmt: Sie haben Ihren Textentwurf überarbeitet, die Rechtschreibung und Grammatik geprüft – und dennoch ist Ihnen ein Fehler entgangen. Angesichts der Konzentration auf die inhaltlichen Aspekte eines Texts kann dies leicht passieren. Hinzu kommt, dass heutzutage die Belegschaft vieler Unternehmen international ist oder Englisch die Unternehmenssprache ist. So werden viele Texte nicht mehr von Muttersprachlern geschrieben.

Da Fehler im Ausgangstext den Übersetzungsprozess und die Qualität der Übersetzung beeinträchtigen, empfiehlt es sich, bei der Verfassung des Texts übersetzungsgerecht zu schreiben. Durch regelbasiertes Schreiben lassen sich die Ausgangstexte gezielt für die Übersetzung und Lokalisierung optimieren. Deshalb lohnt es sich, für Ihre eigenen Redakteure und Texter Schreibregeln, aber auch externe Agenturen Regeln für übersetzungsgerechtes Schreiben vorzugeben. Wir schildern hier, was dabei alles zu beachten ist.

 

Warum ist die Qualität von Ausgangstexten für die Übersetzung so wichtig?

Texte, die als Ausgangsbasis für die Übersetzung in mehrere Sprachen dienen, sollten vor der Beauftragung nochmals genau geprüft werden, denn die Qualität des Ausgangstexts wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der Übersetzung aus. Neben der korrekten Zeichensetzung ist auch auf Rechtschreibung und Grammatik zu achten, was einem klassischen Korrektorat entspricht. Aber auch die stilistische Qualität sollte im Hinblick auf die Textsorte und die Zielgruppe geprüft werden:

 

  • Ist der Text für ein Fachpublikum bzw. die Zielgruppe geeignet?
  • Entspricht der Text dem Kommunikationszweck, dient er beispielsweise zur Umsatzsteigerung eines neuen Produkts?
  • Ist der Text geeignet, die Bedienung eines bestimmten Geräts verständlich zu machen?

 

Solche Kriterien können im Rahmen eines Lektorats oder einer fachlichen Prüfung geprüft werden. Gerade bei längeren Texten oder Dokumenten, an denen unterschiedliche Autoren gearbeitet haben, sollte die Einheitlichkeit sichergestellt werden:

 

  • Wurden durchgängig dieselben Fachtermini verwendet?
  • Gibt es etwa Schreibvarianten bei Wörtern und Zahlen, bei Datumsangaben und Einheiten?
  • Entsprechen den Gepflogenheiten der Ausgangssprache?

 

Wer immer wieder auch Texte in Englisch verfasst, übersieht schnell einmal, wenn sich die englische Zahlenschreibweise einschleicht. Aber gerade solche Fehler können sich negativ auf den Übersetzungsprozess auswirken. Eine Zahl mit drei Dezimalstellen hinter dem Komma, wird bei falscher Schreibweise mit Punkt, wie es im Englischen üblich ist, als eine vierstellige Zahl interpretiert – aus der Zahl 1,234 entsteht dann womöglich die Zahl 1.234. Dieser gravierende Fehler könnte im schlimmsten Fall zu Sach- oder Personenschäden führen. Bei der Bearbeitung mit CAT-Tools greift in solchen Fällen die Qualitätssicherung nicht, da das Zahlenformat schon in der Ausgangssprache nicht korrekt ist. Aber auch der Übersetzer interpretiert solche Zahlen womöglich falsch.

Abweichende Fachterminologie oder Schreibweisen können dazu führen, dass der neue Text einen geringeren Grad der Übereinstimmung mit dem Translation Memory aufweist, als dies andernfalls der Fall wäre. Ein klassisches Beispiel ist die Verwendung von „Gerät“ in einer Gebrauchsanweisung. Bei der Überarbeitung werden nun einige Standardsätze neu hinzugefügt, die bereits im CAT-Tool erfasst wurden. Der dafür zuständige Redakteur verwendet nun das Wort „System“ anstelle von „Gerät“. Einerseits verwirrend, andererseits sinkt die Wahrscheinlichkeit, hohe Matchraten zu erreichen.

Unser Tipp: Lassen Sie zunächst nur eine Sprache übersetzen und nutzen Sie den Übersetzungsprozess als Qualitätskontrolle. 

Gerade Übersetzern fallen häufig Diskrepanzen auf, sodass der Übersetzungsprozess selbst einen Beitrag zur Qualitätskontrolle leisten kann. Dies ist aber nur sinnvoll, wenn zunächst eine einzelne Sprachkombination übersetzt und der Ausgangstext dabei optimiert wird, bevor die Übersetzung weiterer Sprachen erfolgt. Da sich Übersetzer sehr intensiv mit Texten auseinandersetzen, finden sie unklare oder uneinheitliche Stellen. Alternativ bieten Sprachdienstleister die vorgeschaltete Qualitätssicherung durch einen versierten fachlichen Prüfer, Lektor für Marketingtexte oder Fachübersetzer. Der Aufwand hierfür lohnt sich, da er viele Kosten und Rückfragen spart: Bei der Übersetzung in 20 Sprachen stolpern womöglich 20 Übersetzer über einen bestimmten Fehler …

 

Wie bereite ich Dateien optimal für die Übersetzung vor?

Häufig unterschätzen Kunden, aber auch Sprachdienstleister, wie wichtig die Qualität der Ausgangstexte ist, damit Übersetzungsprozesse reibungslos laufen. Kein Auftraggeber möchte unnötige Ressourcen in die Beantwortung zeitraubender Rückfragen oder in die Nachbearbeitung gelieferter Übersetzungen investieren. Auch Sprachdienstleister und Übersetzer sind daran interessiert, den Übersetzungsauftrag möglichst effizient und gut im CAT-Tool  abzuwickeln. Eine optimale Vorbereitung der Dateien lohnt sich daher für alle Beteiligten, insbesondere den Auftraggeber von Übersetzungen.

Die optimale Vorbereitung von Dateien und übersetzungsgerechtes Schreiben sind wichtige Voraussetzungen für die automatische Übersetzung. Dabei greift das CAT-Tool auf den bereits vorliegenden Bestand an Übersetzungen zu und übersetzt automatisch. Da den Tools jeder Sinn für Textlogik fehlt, eignen sich solche Prozesse nur für Ausgangstexte, die übersetzungsgerecht geschrieben wurden. Dabei sind die Sätze kürzer und einfacher strukturiert. Außerdem muss die Qualität der Daten im Translation Memory stimmen. Für viele Textsorten eignet sich die automatische Übersetzung nicht, wenn etwa unentdeckte Fehler gravierende Folgen für die Anwender oder die Umwelt haben könnten.

CAT-Tools bieten viele Vorteile für den Übersetzungsprozess. Voraussetzung hierfür sind aber gute Ausgangstexte, damit eine optimale Segmentierung erreicht wird. Darunter versteht man die satzweise Aufteilung des Textes im CAT-Tool, die durch bestimmte Satzzeichen wie Punkt oder Doppelpunkt ausgelöst wird. Außerdem sollten die Texte korrekte und einheitliche Datums- und Zahlenformate enthalten, damit die Qualitätssicherung der CAT-Tools optimal genutzt wird. Eine gute Dateivorbereitung umfasst folgende Kriterien:

 

Umbrüche entfernen: 

  • Harte Zeilenumbrüche (Absatzmarken) mitten im Satz entfernen
  • Weiche Zeilenumbrüche (Strg+Enter) am Satzende entfernen
  • Manuelle Seitenumbrüche entfernen
  • Manuelle Silbentrennung entfernen

 

Einheitliche Zahlenformate verwenden: 

  • Für die Ausgangssprache korrekte Zahlenformate verwenden
  • Für die Ausgangssprache korrekten Datums- und Zeitangaben verwenden

 

Formatierung optimieren: 

  • Für Einzüge sollten Sie Tabulatoren anstelle von Leerzeichen verwenden.
  • Überflüssige Formatierungen sollten Sie entfernen (inkl. Schriftarten und – größen).
  • Überflüssige Kommentare/Anmerkungen sind aus der Überprüfung zu entfernen.

 

Neben diesen formalen Kriterien empfiehlt sich die Qualitätssicherung der Ausgangstexte, um mögliche Rückfragen und unerwünschte Effekte im CAT-Tool zu vermeiden. Zunächst sollte der Text korrekt und vollständig sein. Bedenken Sie, dass ein fehlerhafter Ausgangstext in der Datenbank des CAT-Tools mögliche 100%-Matches verhindert. Tippfehler verursachen so unnötige Kosten. Dasselbe gilt für uneinheitliche Terminologie und Schreibweisen. Als Kunde sollten Sie beides im Rahmen Ihrer Corporate Language für die Ausgangssprache festlegen, etwa in einem Redaktionsleitfaden oder in Stilrichtlinien. Sie vermeiden so, dass durch immer neue Variationen, beispielsweise die Schreibweise von langen Wörtern mit und ohne Bindestrich, die Matchraten niedriger sind, als es wirklich nötig wäre.

Für die Übersetzung gilt übrigens dasselbe. Übersetzer und Projektmanager werden es Ihnen danken, wenn Ihre Tochterunternehmen im Ausland auch die Stil- und Terminologievorgaben für die Zielsprachen und Zielmärkte festlegen, in und für die übersetzt werden soll. Gerne unterstützt Sie Ihr Sprachdienstleister bei der Erstellung eines speziell auf Ihr Unternehmen zugeschnittenen Style Guide oder eines Glossars für die gewünschte Sprache. Diese Investition zahlt sich für Sie aus, da Sie den Aufwand für die Nachbearbeitung deutlich senken und sich Ihre Mitarbeiter auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.

 

Warum sind Stilrichtlinien für Texterstellung und Übersetzung wichtig?

Für hohe Matchraten ist die Einheitlichkeit der Texte eine wichtige Voraussetzung. Texte sollten in Bezug auf die verwendeten Fachausdrücke, Schreibweisen, Formatierungen und den Stil möglichst einheitlich sein. Hierzu gehören Aspekte wie

  • Angaben von Zahlen mit Maßeinheiten
  • Datumsformate
  • Schreibweise zusammengesetzter Wörter mit oder ohne Bindestrich
  • erweiterte Produktnamen
  • Festlegung auf eine bestimmte Schreibweise, wenn es im DUDEN Alternativen gibt.

Denn kleinste Abweichungen lassen die Matchrate von 100% schnell in tiefere Kategorien „rutschen“ – das kosten Sie bares Geld. Es zahlt sich also aus, Ihren Redakteuren Stilvorgaben zu machen, und schon im Hinblick auf die Übersetzung zu schreiben.

Neben den Stilvorgaben ist es deshalb ratsam, auch die Fachbegriffe vorzugeben. Viele Unternehmen haben erkannt, dass sich der Aufwand für die Terminologieerstellung lohnt. So können die Redakteure schon bei der Erstellung von Texten darauf zugreifen und alle im Unternehmen –sei es im Marketing, in der Entwicklung, im Produktmanagement oder im Vertrieb – sprechen dieselbe Sprache. Gerade Anbieter hochwertiger Produkte und Dienstleistungen können damit bei ihren Kunden punkten. Ebenso wichtig ist es, die Schreibweise von Produkt- und Unternehmensnamen festzulegen. Meist gibt es hierbei auch rechtliche Aspekte zu beachten.

 

Warum Stilrichtlinien für den Übersetzungsprozess wichtig sind

Falls Sie im Unternehmen schon einen Redaktionsleitfaden oder Stilrichtlinien verwenden, ist Ihnen sicher bewusst, wie viele Korrekturen oder Rückfragen Sie sich dadurch intern sparen. Dasselbe gilt für den Übersetzungsprozess. Auszüge aus Redaktionsleitfäden oder Stilrichtlinien, die Sie Ihrem Sprachdienstleister zur Verfügung stellen, können den Aufwand für die Nachbearbeitung von Übersetzungen in Ihrem Unternehmen erheblich verringern. Wenn Sie konkrete Vorstellungen haben, wie Ihre Corporate Language für die Zielmärkte klingen und aussehen soll, teilen Sie dies Ihrem Sprachdienstleister mit. So kann dieser sicherstellen, dass das Übersetzungsergebnis Ihren Erwartungen voll und ganz entspricht – diese am besten sogar noch übertrifft. Und Sie sparen Ressourcen durch weniger Rückfragen oder Nachbearbeitung.

Gehört Ihr Unternehmen auch zu denjenigen, die englische Begriffe in Produktnamen und ausschließlich englischsprachige Positionsbezeichnungen verwenden? Dann sollten Sie dies Ihrem Sprachdienstleister schon bei der Beauftragung einer Übersetzung mitteilen. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass der Übersetzer bei der Recherche das „richtige“ Referenzmaterial findet.

Machen Sie mit Ihrem Style Guide oder Ihrem Glossar klare Vorgaben. Alle am Übersetzungsprozess Beteiligten profitieren davon – und Sie können dabei den Aufwand für eine etwaige Nachbearbeitung oder Korrekturen sparen!

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