DEUTSCHES BROT UND BRÖTCHEN: EIN TEIL DER KULTUR!

Inhaltsverzeichnis

DEUTSCHES BROT

Zwar lebt der Mensch nicht vom Brot allein, wie es die Bibel lehrt, doch spielt es in vielen Kulturen eine zentrale Rolle. So auch in Deutschland, das stolz auf seine 3.200 registrierten Brotsorten ist. Dieser Brotsorten-Reichtum steht für die kulturelle Vielfalt deutscher Regionen.

Unterschiedliche Anbaubedingungen bei Getreide sorgen für Diversifikation bei den Brotsorten. Dazu kommen die historisch gewachsenen kulturellen Unterschiede zwischen den Regionen.

Zwar beträgt die Nord-Süd-Distanz 876 km und die Entfernung von Osten nach Westen in Deutschland gerade einmal 640 km, die Vielfalt der Bezeichnungen für Brötchen lässt größere Distanzen vermuten

Brot ist nicht gleich Brot – Deutsche Brotkultur

Deutsche Bäckerkunst hat eine lange Tradition und Brot gilt heute nach wie vor als eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel in Europa und Nordamerika, insbesondere in Deutschland. Kein anderes Land kann eine derart große Vielfalt an Brot bieten.

Kein Wunder, dass viele im Ausland lebende Deutsche ihr Brot so vermissen. Ihnen fehlt der große Abwechslungsreichtum an Brotsorten vom dunklen Pumpernickel bis zum hellen Dinkelbrot. Hinzu kommt oft, dass das Brot in der Wahlheimat ein völlig anderes Produkt ist.

Ein gutes Beispiel ist Großbritannien. Zwar klingt „bread“ dem deutschen „Brot“ ähnlich, doch unterscheidet sich die Brotkultur beider Länder erheblich. Hinter den jeweiligen Bezeichnungen verbergen sich völlig andere Vorstellungen.

Damit werden die Erwartungen an das Brotprodukt des jeweils anderen Landes zwangsläufig enttäuscht: Hier eine Fülle unaussprechlicher Brotsorten, die für den britischen Gaumen gewöhnungsbedürftig gewürzt sind; dort das verpackte Brot, von dem die Fans feiner Gurkensandwiches sogar noch die weiche Rinde entfernen.

 

Deutsche Backwaren im Ausland

In vielen Ländern kann man heutzutage deutsches Brot kaufen. Clevere Bäcker haben erkannt, dass nicht nur Deutsche im Ausland gern ihr Brot kaufen, sondern versuchen auch andere Nationen auf den Geschmack zu bringen.

Zwar gehören deutsche Bäckereien im Ausland eher zur Ausnahme, mitunter halten sie sich jedoch standhaft. So gibt es in der Touristenregion Mallorca einige deutsche Bäckereien, ebenfalls in den USA und selbst in Südafrika hat man sich auf die Bedürfnisse deutscher Touristen eingestellt.

In Japan, insbesondere in und um Tokyo sind Bäckereien mit deutschen Backwaren teilweise seit Jahrzehnten am Markt.

Sind die Rezepte auch unterschiedlich, Brot ist kein rein deutsches Nahrungsmittel. Auch in anderen Ländern greift man bei der Kohlenhydratzufuhr gerne darauf zurück. Die Bezeichnung Brot stammt ursprünglich aus der lateinischen Sprache und heißt dort, wie auch auf Italienisch „pane“. Auf Französisch wurde „pain“ daraus. Auf Spanisch und Japanisch nennt man Brot „pan“.

 

Brot – Spiegel der Kultur

Brot verkörpert mehr als nur Esskultur. Es steht auch für seine Herstellung, seinen Verkauf, sowie die Werte seiner Konsumenten. Laut Bäckerhandwerk gab es im Jahr 2018 10.926 Meisterbetriebe, die noch einen Großteil der Nachfrage an Brot befriedigen und als traditionelle Handwerksbetriebe Wertschätzung genießen.

Das ist nicht überall so. In Großbritannien beispielsweise erzeugen mehr als 100 Großbetriebe etwa 80 Prozent des verzehrten Brotes, meist abgepackt im Supermarkt verkauft. Kein Wunder also, dass der britische Marketingverband „Facts about Bread“ nur auf etwa 200 Brotsorten kommt. Die Lieblingssorter der Engländer bleibt nach wie vor das Weißbrot, 70% der verkauften Brote entsprechen dieser Sorte.

Kleine Betriebe führen in Großbritannien eher ein Schattendasein und sind bei weitem nicht so häufig im Ortsbild anzutreffen wie Bäckereien in Deutschland. Und im Produktangebot spiegeln sich die Verbraucherwerte wider – hier schweres Biobrot für Stullen, dort leichtes Weißbrot für Sandwiches.

Eine der liebsten Backwaren der Deutschen: das Brötchen!

Ein Korb mit Brötchen darf bei keinem großen Sonntagsfrühstück fehlen. Das ungesüßte Kleingebäck gibt es neben dem klassischen Weizenbrötchen und Roggenbrötchen oder als Vollkorn- oder Kartoffelbrötchen. Und damit ist die Liste an Brötchensorten längst nicht abgeschlossen.

Ähnlich variantenreich, wie die Brötchensorten selbst, sind die unterschiedlichen Bezeichnungen für das Brötchen. Gemeint ist immer das klassische Weizenbrötchen.

 

Brötchennamen in Deutschland: Laable, Semmel, Weckle

Je nach Region werden ganz unterschiedliche Bezeichnungen für Brötchen verwendet. Kaum zu glauben, dass zwischen den verschiedenen Brötchennamen teilweise nur wenige Kilometer liegen.

Die Berliner Bezeichnung für Brötchen ist „Schrippe“ und in Hamburg nennt man Brötchen „Rundstücke“, ähnlich der Bezeichnung auf Norwegisch „rundstykke“. 

In Süddeutschland sagt man im bayerischen Teil „Semmel“ und in Baden-Württemberg, je nach Dialekt „Weckle“, „Weckerl“ oder „Semmel“. Auch in Thüringen und Sachsen ist „Semmelbrötchen“ ein gern verwendeter Begriff. Die Sprache Deutsch kennt allein neun Ausdrücke für den Begriff Brötchen, wie im dtv-Atlas Deutsche Sprache nachzulesen ist. Dazu gehören auch die Brötchenbezeichnungen „Laabla“, „Weggli“ „Kipf“ und „Wasserweck“.

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) verbrauchten deutsche Privathaushalte im Jahr 2018 fast 1,7 Millionen Tonnen Brot. Ein so alltägliches Erzeugnis wie Brot illustriert typische Merkmale der Kultur und Werte eines Landes. Ist es daher nicht verständlich, dass Deutschland seine einzigartige Brotlandschaft als immaterielles Kulturerbe der UNESCO schützen lassen möchte?

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