14.06.2019

Ein Tag im Berliner Tonstudio "Dynamic Audio"

Ehlion Redaktion 0
Neuigkeiten Rund um Sprache

Tonstudio – da entstehen im Kopf schnell Bilder von stickigen 3-Quadratmeter-Räumen ohne Tageslicht. Nach stundenlanger stupider Arbeit entsteht dann ein Musikstück, das es noch nicht mal in die Top 100 der Charts schafft oder eine Synchronisation, die so manchen Serienfan an die Grenzen seiner akustischen Belastbarkeit bringt.  

Dieses Bild konnten wir so nicht stehen lassen und haben der Audioagentur dynamic audio einen Besuch abgestattet. Seit 2007 ist die Audioagentur in Berlin Kreuzberg ansässig und bietet viel mehr als nur Sprachaufnahmen. Im typischen Berliner Hinterhof Charme befinden sich freundliche helle Büroräume und ein angeschlossenes Tonstudio.  

Geschäftsführer Christian Schneider hat uns einen Blick hinter die Kulissen gewährt und uns einige Fragen beantwortet, die uns schon lange unter den Nägeln brannten. 

Was sind die typischen Aufgaben einer Audioagentur? 

Wir machen weniger Fernsehfilme im Bereich Synchronisation. Wir machen eher Industriefilme, E-Learning-Produktionen und Sicherheitsfilme. Wir machen alles, was mit Sprache zu tun hat. Wir vermitteln Sprecher. Wir nehmen Sprecher in über 20 Sprachen auf. Oft funktioniert das Tonstudio als Schnittstelle zwischen Filmproduktionsfirma, Übersetzungsdienstleistungen und diversen anderen Agenturen. Wir haben uns dann auf die Fahnen geschrieben, dass wir wirklich alles mit Audio machen. 

 

Was ist bei professionellen Tonaufnahmen aktuell am gefragtesten? 

Wir haben am Anfang viele Telefonansagen gemacht. Damals waren große interaktive Systeme gefragt. Hier haben wir damals zum Beispiel einen sprechenden Kinodienst oder einen Fußball-Liveticker produziert, den man anrufen konnte. Auch eine interaktive Auskunft gehörte dazu. Wir haben auch künstliche Stimmen aufgenommen, die automatisiert Adressen ausgeben können.  

Diese interaktiven Systeme machen wir kaum noch, heutzutage hat ja jeder ein Handy. Was sich neu entwickelt hat, mit den neuen Internetbandbreiten ist das Bewegtbild ins Internet gekommen.  

Jede Firma möchte u. a. einen Imagefilm, einen Erklärfilm oder eine Führung durchs Haus. Beispielsweise kommt eine Firma zu uns und sagt: „Wir haben einen Film gedreht und möchten den in 16 Sprachen für unsere Standorte weltweit produzieren“. In Zusammenarbeit mit Sprachdienstleistungsunternehmen setzen wir die Übersetzung und die Aufnahmen dann um. 

 

Wie läuft ein typischer Produktionstag in einem professionellen Tonstudio ab? 

Zunächst wird geschaut, ob alle Texte vorrätig sind. Außerdem muss festgestellt werden, für welches Genre die Texte sind. Für Werbeaufnahmen sind beispielsweise andere technische Einstellungen notwendig als für technische Produktionen. 

Wir machen auch viel Coaching. Der Sprecher muss beispielsweise auch wissen, für welche Branche der Text ist, um entsprechend agieren zu können. Wofür spricht er eigentlich? Es gilt, den Sprecher zu lenken und zu coachen, dass er eine entsprechende Bilderwelt aufmachen kann. Die Qualität ist dann höher, als wenn ein Sprecher allein Sachen aufnimmt. 

Dann beginnt der Sprecher mit seinen Aufnahmen. Bei großen Produktionen bin ich dabei, ein Techniker und auch ein Regisseur. Manche Sachen sind auch schwer zu überblicken, wenn man beispielsweise ein Computerspiel hat mit 5000 Takes und 38 Charakteren. Da kann ein Regisseur schon hilfreich sein. Oftmals ist auch der Kunde mit dabei oder per Skype zugeschaltet, um die Aufnahme nach seinen Wünschen abzustimmen. Nach der Aufnahme beginnt die eigentliche Arbeit. 

Das aufgenommene Material wird editiert und geschnitten. Die schönsten Takes rausgesucht und zum Beispiel Schmatzer rausgemacht. Dann kommt die Feinproduktion und mit dem Mixing und der Musikunterlegung. Der etwas kreativere Teil. So ist ein typischer Tagesablauf. 

 

Wohin geht es in Zukunft mit der professionellen Audioproduktion? 

Künstliche Intelligenz und natürliche Sprache von Robotern sind immer wieder mal ein Thema. Kein Roboter kann allerdings einen Menschen ersetzen. Deswegen werden wir auch weiterhin mit Menschen zusammenarbeiten. Wir werden auch immer weiter Menschen aufnehmen, um echte Emotionen zu übertragen. 

Der technische Aspekt kann durch die entsprechenden Computerprogramme zwar in Zukunft weiter vereinfacht werden, ich möchte aber zum Beispiel nicht mehr unbedingt mit Bandmaschine, mit Schnipseln an den Fingern, schneiden. Ich bin aber auch wirklich sehr glücklich, jedes File noch mal angucken zu können, durchzuhören und meine menschliche Intuition einsetzen zu können. Das ist eine Qualitätssicherung, die keine Maschine übernehmen kann. Gerade im emotionalen Bereich schafft das eine Maschine nicht. Generell ist auch das Thema E-Learning von Mitarbeitern, die geschult werden müssen, ein großer Markt. 

 

Wie läuft denn die Zusammenarbeit mit Sprachdienstleistungsunternehmen ab? 

Wir als Audioagentur sind ja immer die letzten, bei denen die Texte aufschlagen. Uns ist es wichtig, dass vor allem bei Lokalisierungsprojekten die Sprache an das jeweilige Zeitfenster angepasst ist. Wenn man zum Beispiel vom Englischen ins Spanische übersetzt hat das zur Folge, dass der spanische Text einfach 30–40 Prozent länger ist und gerade bei Filmen, wo man nur ein bestimmtes Zeitfenster hat, dann funktioniert der Film dann am Ende nicht mehr. Timing ist hier wirklich das A und O. Gerade bei Sprachen, wie EnglischSpanischFranzösisch nebeneinander ist es wichtig, dass die Längen der Takes einigermaßen passen. Auch die Übersetzung von Muttersprachlern ist unbedingt wichtig für uns. Text ist so sensibel. 

 

Nach dem Interview bekamen wir noch eine spannende Studioführung. Wir bedanken uns für das Interview. Noch mehr Infos gibt es auf der Website des Berliner Tonstudios dynamic audio. Sie interessieren sich für die EHLION Leistungen im Bereich Voice-Over oder Vertonung? Wir informieren Sie gern!  

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